Das Wichtigste im Überblick
- Stellen Sie Ihre Kamera auf den Kelvin-Modus (5500K+) oder die Voreinstellung für bewölkten Himmel. Smartphone-Kameras verwenden standardmäßig warme Töne, die blaues Eis grau erscheinen lassen. Mit der manuellen Anpassung kommt das Cyan zur Geltung, das die Höhle so magisch macht.
- Eis reflektiert Licht sehr intensiv. Erhöhen Sie die Belichtung um +1 bis +2 Blendenstufen, um unterbelichtete, matschig wirkende Aufnahmen zu vermeiden. Prüfen Sie Ihr Histogramm und passen Sie die Einstellung an, wenn sich die Wolken während der 4-stündigen Wanderung verändern.
- Kälte entlädt Akkus schnell. Bewahren Sie Ersatzakkus in einer Innentasche nah am Körper auf und wechseln Sie sie regelmäßig. Lithiumzellen halten bei Frost länger als Alkalibatterien.
- Im Inneren der Höhle ist es selbst mittags dunkel. Eine kleine Stirnlampe oder ein LED-Panel beleuchtet Eisdetails und ermöglicht Ihnen Aufnahmen aus der Hand, ohne den ISO-Wert auf ein rauschendes Niveau erhöhen zu müssen.
- Stative sind auf Eis mit Steigeisen unpraktisch. Stützen Sie sich am Guide ab, nutzen Sie die Bildstabilisierung und fotografieren Sie mit kürzeren Verschlusszeiten. Auch Einbeinstative sind unhandlich.
Warum blaues Eis auf Ihrem Smartphone grau aussieht
Die blaue Farbe der Eishöhlen von Vatnajökull entsteht, weil Gletschereis so stark verdichtet ist, dass es rote Lichtwellen absorbiert und blaues Licht reflektiert. Die Kamera Ihres Smartphones nutzt jedoch einen automatischen Weißabgleich, um einen vermeintlichen Farbstich zu korrigieren. Der Sensor erkennt tiefes Blau und deutet es als falsche Beleuchtung, woraufhin er es in Richtung Grau oder Weiß neutralisiert. Das geschieht in Millisekunden, noch bevor Sie den Auslöser drücken.
Um dies zu umgehen, wechseln Sie Ihr Smartphone, sofern möglich, in den manuellen Modus oder nutzen Sie eine Kamera-App eines Drittanbieters, mit der Sie den Weißabgleich fixieren können. Stellen Sie den Weißabgleich auf eine kühlere Temperatur von etwa 4000-5000K ein. Dadurch wird dem Sensor signalisiert, Blau beizubehalten, statt es zu neutralisieren. Falls Ihr Smartphone keine manuelle Steuerung bietet, nehmen Sie das Bild zunächst im Schatten auf, wo die Kamera einen kühleren Weißabgleich einstellt, und wählen Sie dann in der Eishöhle erneut den Bildausschnitt. Die meisten speziellen Kameras, ob spiegellos oder DSLR, verwenden ebenfalls standardmäßig den automatischen Weißabgleich. Prüfen Sie daher das Menü und wählen Sie stattdessen eine Voreinstellung für Tageslicht oder Bewölkung.
Batterien und Elektronik bei Gletscherkälte schützen
Die 4-stündige Dauer dieser Gletscherwanderung bedeutet, dass Ihre Kamera und Ihr Smartphone längere Zeit Temperaturen deutlich unter dem Gefrierpunkt ausgesetzt sind. Kälte verlangsamt die chemischen Reaktionen in Batterien, und eine Kamera, die auf Bodenniveau noch 40% Ladung anzeigt, kann innerhalb weniger Minuten auf dem Gletscher auf 5% fallen. Lithiumbatterien sind besonders stark betroffen und verlieren bei jeweils 10°C unter dem Gefrierpunkt etwa die Hälfte ihrer effektiven Kapazität.
Bewahren Sie Ersatzbatterien, in ein dünnes Tuch gewickelt, in einer Tasche dicht an Ihrer Körperwärme auf. Lassen Sie Batterien nicht ungeschützt an der Luft liegen. Kondensation stellt eine zweite Gefahr dar: Wenn Sie vom kalten Gletscher in einen wärmeren Unterstand oder ein Fahrzeug wechseln, kondensiert Feuchtigkeit in Ihrer Kamera oder Ihrem Smartphone, bevor Sie sie wahrnehmen können. Legen Sie Ihre Ausrüstung in einen verschlossenen Beutel, während sie sich idealerweise 30 Minuten lang auf Raumtemperatur erwärmt, bevor Sie ihn öffnen. Manche Fotografen befestigen zusätzlich ein kleines Päckchen Silikagel in ihrer Kameratasche, um Beschlagen vorzubeugen.
Die richtige Belichtung bringt das echte Blau des Gletschereises in der Höhle zur Geltung
Licht und Timing in der Eishöhle
Eishöhlen sind nur schwach beleuchtet, da Tageslicht durch Risse und Spalten über ihnen einfällt. Eine Stirnlampe ist nicht unbedingt erforderlich, wenn Ihre Kamera bei schwachem Licht eine gute Leistung bietet, ISO 1600 oder höher, aber nehmen Sie aus Sicherheitsgründen dennoch eine mit, um das Gesicht Ihres Guides und Details in Ihrer Nähe auszuleuchten. Das Blau der Höhle wird um die Mittagszeit, wenn die Sonne am höchsten steht und am meisten Licht in die Eismasse eindringt, tiefer und intensiver. Bei Besuchen am frühen Morgen oder späten Nachmittag erscheinen die Farbtöne flacher und grauer, da das Licht in einem flachen Winkel einfällt.
Wenn Sie ein kräftiges Blau fotografieren möchten, wählen Sie eine Tour zwischen 11 Uhr und 14 Uhr. Beginnen Sie in der Höhle mit den Kameraeinstellungen ISO 3200, f/2.8 und einer Verschlusszeit von 1/30 Sekunde oder kürzer. Ihr Smartphone wird hier an seine Grenzen stoßen. Falls Sie nur ein Smartphone verwenden, aktivieren Sie, sofern verfügbar, den Nachtmodus oder die Langzeitbelichtung. Nehmen Sie ein kleines Stativ mit, wenn Sie scharfe Aufnahmen ohne Verwackeln wünschen. Beachten Sie jedoch, dass das Aufstellen eines Stativs mit Steigeisen auf Eis sorgfältiges Gleichgewicht erfordert und Zeit beansprucht, die Ihrer Gruppe möglicherweise fehlt.
Objektive vor Schmelzwasser und Eisspritzern schützen
Die Oberfläche des Vatnajökull ist besonders in den wärmeren Monaten von Schmelzwasser durchzogen. Tropfen und Spritzer landen direkt auf Ihrem Objektiv, und Eiskristalle können Glas zerkratzen, wenn Sie sie mit einem trockenen Tuch abwischen. Der beste Schutz ist ein UV-Filter, ein klares optisches Element, das dauerhaft vorne auf dem Objektiv sitzt. Er kostet deutlich weniger als die Reparatur oder der Ersatz eines zerkratzten Hauptobjektivs und kann bedenkenlos gereinigt werden. Nehmen Sie für den Außeneinsatz geeignete Objektivreinigungstücher mit und entfernen Sie Kristalle vor dem Abwischen vorsichtig mit einem weichen Pinsel.
Für Smartphones ist eine wasserdichte Hülle mit mindestens IPX7 sinnvoll, wenn Sie fotografieren möchten. Sie beeinträchtigt jedoch die Bildqualität leicht und erschwert die Bedienung des Touchscreens mit Handschuhen. Bewahren Sie ein Mikrofasertuch in einer trockenen Tasche auf, um während der Wanderung den Bildschirm zu reinigen. Verwenden Sie niemals Ihren Jackenärmel oder den Stoff Ihrer Handschuhe, da sich darin Schmutzpartikel festsetzen, die bei Kontakt Kratzer verursachen. Falls Sie Ihr Objektiv mit der Hand vor Spritzern schützen müssen, halten Sie Ihre Handfläche schützend darum, statt das Glas zu berühren.





























Ihre Begleitung in angeseiltem Gelände fotografieren
Die Gruppe ist auf maximal 12 Gäste pro Guide begrenzt, und beim Überqueren des Gletschers sind alle aus Sicherheitsgründen angeseilt. Dadurch sind dynamische Actionaufnahmen schwierig. Bitten Sie niemanden, unnatürlich zu posieren oder sich umzudrehen. Fotografieren Sie stattdessen die Personen, wie sie ganz natürlich in einer Reihe vor Ihnen gehen, eingerahmt vom Gletscher und den Formationen der Eishöhle im Hintergrund. Das Seil selbst erzählt die Geschichte dieses Erlebnisses und verleiht dem Bild Authentizität.
Ihr Guide und Ihre Begleitung tragen Steigeisen und Gurte, die zwar eindrucksvoll aussehen, aber auch Herausforderungen bei der Bildgestaltung mit sich bringen. Fotografieren Sie aus einer niedrigen Perspektive, um die Größe des Gletschers und der Wände der Eishöhle zu betonen. Weitwinkelobjektive, 24mm oder weiter an einer Vollformatkamera oder die weiteste Einstellung am Smartphone, funktionieren in den beengten Räumen einer Eishöhle besser als Zoomobjektive. Fotografieren Sie eine Person nicht direkt vor dem hellsten Teil der Höhlenwand, da ihr Gesicht sonst nur als Silhouette erscheint. Positionieren Sie sich stattdessen so, dass das Licht von der Seite oder von hinten kommt und zugleich die Gesichtszüge und das blaue Eis ausleuchtet. Informieren Sie Ihren Guide immer, bevor Sie für einen Bildausschnitt anhalten, damit das Seilteam sicher pausieren kann.
Ausrüstung vorbereiten, bevor Sie Skaftafell verlassen
Ein Geländefahrzeug bringt Sie von Skaftafell zum Fuß des Gletschers, sodass Ihre Kameratasche Vibrationen und Erschütterungen ausgesetzt sein wird. Verstauen Sie Ihre Ausrüstung in einer gepolsterten Kameratasche mit Trennfächern und sichern Sie alles so, dass während der Fahrt nichts verrutscht. Packen Sie für elektronische Geräte einen Trockensack oder wasserdichten Packsack in Ihren Hauptrucksack, getrennt von Ihren übrigen Sachen. Der erfahrene englischsprachige Gletscherguide stellt die gesamte notwendige Sicherheitsausrüstung für den Gletscher bereit, einschließlich Steigeisen, Helm, Eiswanderstock und Gurt. Ihre einzige Aufgabe besteht darin, Kamera und Smartphone funktionsfähig zu halten.
Tragen Sie Handschuhe, die sowohl für Kälte als auch für Fingerfertigkeit geeignet sind, damit Sie Kameratasten und Touchscreens weiterhin bedienen können. Dünne Innenhandschuhe aus Merinowolle oder Synthetik unter etwas dickeren Außenhandschuhen funktionieren besser als schwere Fäustlinge. Nehmen Sie nach Möglichkeit Ersatzhandschuhe mit, da nasse Handschuhe ihre Isolierwirkung schnell verlieren. Laden Sie am Vorabend alle Batterien und Speicherkarten vollständig auf. Rechnen Sie je nach Licht und Tempo während der 4-stündigen Tour mit etwa 200 bis 400 Aufnahmen. Nehmen Sie daher mindestens zwei Speicherkarten mit, falls eine ausfällt.
Einschränkungen für Luft- und Drohnenfotografie
Im Vatnajökull National Park gelten Vorschriften für die gewerbliche und private Nutzung von Drohnen. In den meisten Gletscherzonen, einschließlich der Bereiche, in denen diese Tour stattfindet, sind Drohnen für individuelle Besucher nicht erlaubt. Auch wenn Sie eine Drohne besitzen, ist ihr Start auf dem Eis ohne ausdrückliche Genehmigung Ihres Guides und der Parkbehörden verboten. Der eingeschränkte Luftraum schützt andere Besucher, Wildtiere und die Integrität der Verwaltungszonen des Parks.
Wenn Luftaufnahmen für Sie wichtig sind, sprechen Sie vor der Buchung mit Ihrem Reiseveranstalter, um herauszufinden, ob lizenzierte Luftbildfotografie als separater Service verfügbar ist. Konzentrieren Sie sich während Ihrer Gletscherwanderung stattdessen auf Bildkompositionen vom Boden aus, die Tiefe und Dimension zeigen. Weitwinkelaufnahmen der Gruppe beim Abstieg in die Eishöhle oder Nahaufnahmen der blauen Eisstruktur mit eingeschlossenen Luftblasen wirken oft ohnehin eindrucksvoller als eine entfernte Aufnahme von oben.